Würzburg (POW) Die Passionszeit gilt in der katholischen Kirche als Phase des Übergangs – eine Zeit zwischen Schmerz und Hoffnung, zwischen Abschied und Aufbruch. Für die Gemeinden im Pastoralen Raum Würzburg Nord-West, insbesondere in Veitshöchheim-Dürrbachtal, ist dieses „Dazwischen“ in diesem Jahr besonders spürbar. „Der Abschied von der Kirche in der Dürrbachau, die zum Jahresende 2025 verkauft wurde, wirkt noch nach“, heißt es in einer Pressemitteilung.
Vor allem in der ehemaligen Heilig-Geist-Gemeinde sei die Trauer über den Verlust des vertrauten Gotteshauses groß. Gleichzeitig wachse die Einsicht, dass gerade solche Einschnitte auch neue Perspektiven eröffnen könnten. Im Begriff „Passion“ verbänden sich bewusst beide Dimensionen: Leiden und Leidenschaft. So könne aus schmerzhaften Erfahrungen neue Hingabe entstehen.
In den Wochen vor der Übergabe der Kirche an die Äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirchengemeinde Sankt Marqos gestalteten Pfarrer Christian Nowak, das Pastoralteam und die Gläubigen einen intensiven Abschiedsprozess. Inzwischen hätten sich neue Strukturen etabliert: Der Seniorenkreis trifft sich im Saal des Bürgervereins Dürrbachau, eine Marienfigur fand im benachbarten Kindergarten einen neuen Platz, und der Kreuzweg des Künstlers Karl Clobes wurde in die Kirche Sankt Josef in Oberdürrbach übertragen.
Dort komme das Werk aus dem Jahr 1961 besonders gut zur Geltung. Ein neuer, dezent grüner Anstrich hebt die 14 Stationen hervor und lässt sie stärker wirken als zuvor vor Backsteinwänden. Auch inhaltlich füge sich der Kreuzweg in das Umfeld ein, nicht zuletzt durch die Verbindung zur Figur des heiligen Josef, dem Patron der Kirche. Eine angepasste Beleuchtung soll die Wirkung künftig noch verstärken.
Der Kreuzweg bildete zugleich den Ausgangspunkt für eine thematische Reihe in der Fastenzeit. Unter dem Leitgedanken „Menschen mit Passion“ rückte das Pastoralteam an den fünf Fastensonntagen biblische Figuren und ihre Haltungen in den Mittelpunkt. Die Angebote reichten von stillen Impulsen bis zu bewegten Formen der Auseinandersetzung und richteten sich an alle Altersgruppen.
In den Gottesdiensten wurden zentrale Szenen des Kreuzwegs als „Predigtbilder“ erschlossen, darunter „Jesus vor Pilatus: das Tribunal der Wahrheit“, „Veronika: Frau mit Mut und Leidenschaft“ oder „Simon von Zyrene hilft Jesus das Kreuz tragen“. Die Teilnehmenden erhielten farbige Darstellungen der Figuren, die Clobes in ausdrucksstarker Bildsprache gestaltet hatte.
Gemeindereferentin Martina Zentgraf hob hervor, dass Leidenschaft Menschen zum Handeln bewegen könne – für das Leben, die Liebe und den Glauben. Pfarrer Nowak stellte in seinen Predigten Josef und Maria als zwei grundlegende Haltungen gegenüber: Vertrauen und verantwortliches Tun. „Glaube zeigt sich sowohl im Aushalten als auch im Handeln“, betonte er.
Zugleich unterstrich Nowak die Bedeutung der Gemeinschaft: „Die Zukunft beginnt hier und heute und mit dir.“ Am Beispiel der biblischen Erzählung von der Auferweckung des Lazarus werde deutlich, wie Vertrauen, konkretes Handeln und das Wort Jesu zusammenwirken. Der neue Standort des Kreuzwegs sei daher ein Zeichen dafür, dass die Gläubigen in Veitshöchheim und im Dürrbachtal ihren Weg gemeinsam weitergehen können.
Am fünften Fastensonntag, 22.März, kamen in Oberdürrbach mehrere Anlässe zusammen: das Patrozinium Sankt Josef, die Misereor-Fastenaktion unter dem Motto „Hier fängt Zukunft an“ und der Abschluss der Predigtreihe. Eine Musikgruppe unter Leitung von Christine Böhm gestaltete den festlichen Gottesdienst. Beim anschließenden Empfang im Innenhof nutzten viele Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit zum Austausch – „ein weiteres Zeichen dafür, dass auch in Zeiten des Umbruchs Gemeinschaft trägt“, betont die Pressemitteilung.
(1426/0324; E-Mail voraus)
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